Hallo zusammen,
eigentlich bin ich ja gerade nicht in der Stimmung, einen Text fuer den Blog zu verfassen, dafuer gehen mir derzeit zu viele andere Gedanken durch den Kopf, fuer die es aber noch etwas zu frueh ist, um sie niederzuschreiben. Ich werde Euch aber frueher oder spaeter, hoffe ich zumindest, auch mit diesen konfrontieren. Und nicht das ihr jetzt denkt, ich plane schon die Auswanderung, da kann ich Euch beruhigen, darum geht es dabei nicht… aber gut, ich schreibe halt einfach mal drauf los, also zu letztem WE…
Freitag Abend haben sich Christian, Julia und ich mit Reisefuehrern aller Couleur auf den Weg ins Rhapsody´s nach Menlynn (mal wieder, aber man isst dort auch einfach zu gut!) gemacht, um unseren Osterurlaub an der Ostkueste nach Durban zu planen. Etwas spaeter kamen noch Mellie und Georg hinzu, die dann fuer die letzten vier Tage St. Lucia zu uns stossen werden. Leider ist die geplante Buggytour in St.Lucia erstmal geplatzt, da diese fuer diesen Termin leider schon von einer anderen Gruppe gebucht wurde. Naja, wir werden auch so unseren Spass haben und die Tour werde ich auch noch zu einem anderen Termin nachholen koennen…
Samstag Nachmittag waren Christian, Mellie, Georg und ich dann bei einer Canopy Tour in den Magaliesbergen, 80km westlich von Pretoria. Beim Canopy klinkt man sich mit einem Klettergurt in ein Drahtseil ein und faehrt dann an diesem von Plattform zu Plattform eine Schlucht hinab, das ganze ist voellig ungefaehrlich und war soweit auch recht witzig, Adrenalin wurde dabei allerdings nur wenig freigesetzt, dafuer war man an der frischen Luft und hat den Tag in einer aeusserst reizvollen Umgebung verbracht, ein nettes Erlebnis, aber fuer die umgerechnet 40 Euro auch wirklich schon am oberen Ende von dem, was man dafuer verlangen kann (natuerlich auf hiesige Verhaeltnisse umgerechnet). Nur zum Vergleich, fuer diese Buggy Tour in St.Lucia wuerden wir wir pro Person fuer volle zwei Tage, den Sprit, einen Guide, Unterkunft und Verpflegung knapp 100 Euro pro Person zahlen…aber egal, wir hatten unseren Spass, unsere beiden schwarzen Guides gaben sich auch redlich Muehe, etwas Stimmung zu verbreiten, so wurde man z.B. nach wirklich jeder Ueberquerung mit einem lauten, ueberschwaenglichen:“Excellent, Excellent, double excellent!!“ empfangen (witzig wurde das gGanze auch wirklich erst noch durch die selbstironische Art und Weise, in der unser Safety Guide uns jedes Mal begruesst hat, so als haetten wir gerade den Grand Canyon ueberquert!) und was unter anderem an den beiden suedafrikanischen Paerchen lag, die mit uns in der Gruppe waren und die auch um keinen Scherz verlegen waren. Eine der Damen hat sich bei einer Ankunft auf der Plattform etwas unguenstig den Fuss angestossen und hatte offensichtliche Schmerzen und alle haben einen Moment die Luft angehalten, wie wird sie reagieren, wird sie explodieren und unseren Guide teeren und federn?? Doch dann ihr lapidarer Kommentar: “That wasn´t excellent, it was an accident!“ Grenzgenial!! Und die kritische Situation war gerettet… Nebenher zur Tour wurden wir noch ueber die einzigartige Pflanzenwelt der Magaliesberge aufgeklaert und ein Teilnehmer (der Suedafrikaner!) hat sich gegen Ende noch einen Rueffel eingefangen, weil er beim Abstieg aus dem Tal eine Abkuerzung genommen hat, womit er ja die Erosion befoerdert! Recht so, leider in SA die Ausnahme, dass sich jemand um die Umwelt sorgt...
Zurueck am Camp haben wir dem Tourleader noch ein Trinkgeld in die Hand gedrueckt, mit dem Hinweis doch bitte mit seinem Safety Guide fair zu teilen. Die Jungs hatten das Trinkgeld ja auch wirklich verdient und besonders der Leader hat einen sehr vernuenftigen und umsichtigen Eindruck bei mir hinterlassen. Wir sitzen kurz danach gemuetlich im angeschlossenen „Restaurant“ als eben dieser Safety Guide zu mir geschlichen kommt und mich fragt, wieviel ich dem Leader denn gegeben habe. Ich, etwas ueberrascht, „50 Rand – mit dem Hinweis mit Dir Fifty Fifty zu teilen, warum“ (schon boeses ahnend!). Woraufhin er, beinahe schon unter Traenen, meint, dass der Leader nur von 30 Rand gesprochen hat und er sich so verarscht vorkommt, und ueberhaupt wuerde er immer betrogen werden…ich solle bitte mitkommen und ihm zu seinen Anteil verhelfen. Da war ich erstmal platt und hab mich dann sofort geaergert, dass ich nicht gewechselt habe und jedem seinen Anteil in die Hand gedrueckt habe – werde ich ab jetzt an auch wirklich immer machen!! Aber geschehen ist geschehen, jedenfalls kann ich einen Irrtum meinerseits ausschliessen und entweder, beide sind verdammt gute Schauspieler gewesen und haben sich auf die Art 20 Rand extra erschlichen, aber das glaube ich ehrlich gesagt nicht, oder der Aermste wird wirklich dauernd von seinem Partner uebers Ohr gehauen. Ich bin also mit dem Kerl mit (Georg als Rueckendeckung – vielen Dank nochmal!) und haben „Likeyboy“ im Clubhaus aufgesucht, wo ich ihn zur Rede gestellt habe. Und ich bin mir sicher bemerkt zu haben, wie er zusammengefahren ist, als er Georg und mich mit seinem Safety Guide ploetzlich in der Tuere stehen sieht. Dann natuerlich die Ausreden, es waeren nur 30 Rand gewesen und pipapo…mei, was willst machen, ich konnte es ihm ja nicht beweisen. Hab ihm von daher noch gesagt wie beschissen ich die Aktion finde und hab dem anderen noch mal 20 Rand gegeben. Meine gute Laune war damit aber erstmal dahin…aber gut, wie gesagt, in Zukunft jedem persoenlich seinen Anteil dann passsiert so was nicht und im Endeffekt war es halt auch mein Fehler.
Am Abend habe ich Bernd und Andrea kennengelernt, dazu nur ganz kurz. Andrea lebt und arbeitet seit drei Jahren hier aber halt auch nur auf Basis einer Arbeitserlaubnis allerdings mit lokalem Vertrag, also zu hiesigen Konditionen. Jedenfalls hat sie grad maechtig Probleme, sie wird von einer Dame aus dem Ministerium um 3000 Rand erpresst, hat momentan keine Verlaengerung der Arbeitserlaubnis und wurde deshalb von der Arbeit suspendiert und war demnach auch fix und fertig. Viel mehr weiss ich leider aber auch nicht, wir waren in erster Linie bei Ihr, damit sie etwas Abwechslung hat und auf andere Gedanken kommt, ich liefere Details nach, sobald ich sie mal wiedergesehen habe! Sie gab uns noch auf den Weg, alle wichtigen Dokumente zu photokopieren und sicher aufzubewahren – Gott sei Dank habe ich die Kopien noch in Deutschland angefertigt.
Sonntag waren wir in Johannesburg auf dem Carlton Hotel, auch Top of Africa genannt. Von da aus hat man einen super Ueberblick und sieht fast bis Pretoria, war super. Allerdings ist es schon sehr bedrueckend, wie heruntergekommen Jo´burg ist, der Glanz vergangener Tage ist komplett vergangen und die Fahrt zum Hotel in der Innenstadt war sehr beklemmend und ungemuetlich. Pretoria war ein wunderschoener Flecken Erde im Vergleich hierzu und das soll wirklich etwas heissen!! Ich werde jedenfalls um den Financial District in Zukunft einen grossen Bogen machen, hier hat man als Weisser defintiv nichts zu suchen!!
Im Anschluss sind wir ins Apartheidmuseum – und jetzt wird’s schwierig, die richtigen Worte zu finden. Was ich jetzt sagen will bitte nicht falsch verstehen – ich finde das Museum als Gedenkstaette an die Greuel der Diktatur vollkommen gerechtfertigt, die Unterdrueckung durch das Apartheidregime war menschenverachtend und illegal! Allerdings war ich ueber die Einseitigkeit der Darstellung ueberrascht und ehrlich gesagt auch enttaeuscht. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass das Museum mit dem Ziel erbaut wurde, als Mahnmal fuer die Vergangenheit zu stehen und zur Versoehnung beizutragen. Wie soll das funkionieren, wenn man einseitig die Greuel der einen Seite vorfuehrt, die Greuel der anderen Seite aber vollkommen aussen vorlaesst? Ja, die Schwarzen haben einen Freiheitskampf gefuehrt und hatten somit ein legitimes Ziel, naemlich die Willkuer und die Unterdrueckung der Weissen Machthaber abzuschuetteln. Aber jeder Freiheitskampf darf sich in meinen Augen nur gegen die staatlichen Einrichtungen und die Symbole der Diktatur richten und nicht gegen die Zivilbevoelkerung. Und da sind Nelson Mandelas ANC und andere Splitterorganisationen des Black Empowerment wahrlich keine Engel! Angefangen bei Bomben in Restaurants und Einkaufszentren, bis hin zu Strassensperren, an denen Weisse mit Molotowcocktails in ihren Autos verbrannt wurden bis hin zu den Gewaltexzessen, die Schwarze von Schwarzen zu befuerchten hatten, wenn Sie sich nicht an vereinbarte Boykotts hielten . Und deshalb war ich von der Berichterstattung an dieser „Gedenkstaette“ nicht besonders angetan, das Museum hat seinen Zweck, als Mahnmal zu dienen, eben durch diese Art von Berichterstattung, verfehlt! Ihr seid herzlich eingeladen meine Sicht zu kritisieren oder auch zu bestaetigen – ich mache mir seitdem wirklich sehr viel Gedanken ueber die Situation in diesem meinem Gastland, es gibt auch allen Grund dazu…eine Frage die mich auch sehr bewegt, ist folgende. Wieso um alles in der Welt fuehrt die Armut ausgerechnet in diesem Land hier zu derartigen Gewaltexzessen?? Und damit meine ich jetzt, in der Gegenwart nicht waehrend der Apartheid. Es gibt andere Laender, die noch um einiges aermer sind, wo die Gewalt aber bei weitem nicht so ausgepraegt ist wie hier, was sind dafuer die Gruende?? Aber hier moechte ich jetzt keine Antwort geben, aus dem einfachen Grund - ich habe keinen blassen Schimmer, woran das liegen koennte! Ich denke naemlich nicht, dass die Antwort nur in der Unterdrueckung und der kriegerischen Auseinandersetzungen der Vergangenheit zu suchen sind. Sie sind sicher ein Faktor, als alleinige Erklaerung langen diese Aspekte in meinen Augen aber nicht…naja, jedenfalls setze ich mich derzeit intensiv mit der anderen Seite dieses Staates auseinander und das wird auch noch einige Zeit dauern, ich habe mir vorgenommen hier wirklich etwas tiefer zu recherchieren um Land und Leute besser verstehen zu lernen. Gerademal vor 17 Jahren wurde Mandela aus der HAft entlassen, da war ich schon 10 Jahre alt...echt bitter!
Nach dem Apartheidsmuseum wollten meine Begleiter dann noch unbedingt nach Gold Rief City, einem Vergnuegungspark gleich gegenueber vom Apartheidmuseum. Ich fand diese Idee im Anschluss an das Museum ehrlich gesagt etwas befremdlich aber was sollte ich machen. Ich hatte dort dann jedenfalls nicht so viel Spass, hab mich recht bald in ein Cafe gesetzt und hing meinen Gedanken nach, bis sich die anderen ausgetobt hatten…das Braai Sonntag Abend wurde dann kurzfristig vom Veranstalter abgesagt, was mir nur Recht war, ich war dankbar frueh ins Bett zu kommen.
Und jetzt werde ich mich auch ins Bett begeben und planen, ich werde naemlich ein langes WE nehmen und mich naechste Woche in den Norden der Drakensberge begeben. Ich hoffe mein Zelt und mein Schlafsack kommen rechtzeitig an, ich will jetzt endlich mal loswandern und etwas Zeit in der Natur und mit mir verbringen, dass muss aber noch gut geplant werden…ach, und ich bekomme diese Woche hoffentlich neue Poi, hab einen Internetshop ausfindig gemacht, gluecklicherweise wohnt der Besitzer nicht weit von hier in Monte Casino und ich kann die Poi gleich persoenlich abholen. Leider sind es keine Zopfpoi sondern welche mit Stahlkern und breitem Kevlarband…aber egal, vllt find ich ja die anderen auch noch irgendwann, irgendwo.
Also, machts gut mitnand!
Stefan
Dienstag, 6. März 2007
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3 Kommentare:
Wenn man sich ueberlegt, dass dieses Land rund 40 % Arbeitslose hat und 20 % der Bevoelkerung mit dem HI-Virus infiziert sind (haben quasi keine Zukunft und nichts zu verlieren): ich denke dass das mit Sicherheit nicht zu vernachlaessigende Faktoren beim Thema heutige Gewaltsituation in RSA sind.
Auch andere haben sich darueber schon Gedanken gemacht, finde diesen Link diesbezueglich nicht mal so schlecht:
http://www.goethe.de/ges/prj/run/gew/de1712097.htm
Hallo Stefan,
beim Lesen dieses Berichts könnte ich mich ein weiteres mal - wüsste ich es nicht besser - fragen, ob du eigentlich auch mal arbeitest, echt erstaunlich was du alles erlebst.
Zum Thema "Gründe für die extrem hohe Kriminalität in SA" kann ich dir leider auch nicht viel sagen. Laut dem deutschen Wikipedia-Artikel (http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdafrika#Kriminalit.C3.A4t) ist die Kriminalitätsrate aber in den letzen Jahren sogar gesunken. Ein Grund dafür sei unter anderem die langsame Etablierung einer breiteren schwarzen Mittelschicht, aber auch Zero Tolerance Politik der Ordnungsbehörden.
Jedenfalls kann ich dein Vorhaben, abseits von Spaß, Arbeit und Party etwas über das Land zu lernen nur unterstützen.
Auf deine eingangs erwähnten noch nicht spruchreifen Gedanken bin ich jetzt schon gespannt.
Und herzlichen Glückwunsch zu den neuen Pois!!! :)
Have a nice and safe day,
Richard
Hey,
das ist ja schwere Kost diesmal, kann ich verstehen, ich würde mir da auch viele Gedanken machen.
Die einseitige Darstellung im Museum ist, denke ich normal, die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung ist das Schlimmste von allem, wie die Freiheit erkämpft wurde, ob blutig oder nicht erstmal zweitranging. Vergleichbar mit Deutschland, wir werden ja heute noch von anderen Nationen als Nazi-Nachkommen angesehen, was völliger Quatsch ist, also ebenso einseitig.
Ansonsten lass es Dir einfach gutgehen und nicht zuviel grübeln...vlg
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