Freitag, 4. Mai 2007

Durban

Servus in die Heimat,

bevor ich jetzt von meinem Urlaub nach Durban berichte, wollte ich nur kurz erwähnen, dass die Ölpumpe von meinem Auto den Geist aufgegeben hat und ich echt Glück hatte, dass ich noch rechtzeitig eine Tankstelle erwischt habe, bevor der Motor sich verabschiedet hat. Mann echt, kann von Glück reden, dass mir das auf dem Weg von der Arbeit nach Hause passiert ist und nicht irgendwo nachts in Midrand oder sonstwo in Jo’burg. Nicht auszudenken…naja, hoffe mal, dass ich für das WE ein Ersatzauto kriege und der Karren am Montag repariert ist, aber so richtig wohl werde ich mich mit dem Auto von jetzt an wohl nicht mehr fühlen. Die Karre hat inzwischen doch auch schon 235000km auf dem Buckel, davon 5000 in den letzten drei Monaten – jaja, ich war hier schon ein bisschen auf Achse…naja, aber zu Durban…

…also hätte ich auf meine Kollegen gehört, wäre ich wohl nie nach Durban gefahren. „Mensch, bist Du irre, was willst Du den in Durban, das ist eine „Schwarze Stadt“!“ (wie, schwärzer als Jo’burg? Erzähl…) „Durban war DAS Urlaubsziel, als wir noch klare Verhältnisse hier in SA hatten, heute ists nicht mehr als ein Dreckloch und die gefährlichste Stadt in SA!“ (wie, dreckiger als Jo’burg? Und gefährlicher als Jo’burg??? Interessant…) Naja, war ja klar, dass ich mir das genauer ansehen musste, wenn die Kollegen schon so vehement dagegen sprechen! Und ich bin wirklich froh, dass ich mich da hab nicht beirren lassen!
Durban liegt, wie St. Lucia, am indischen Ozean in der Provinz Kwazulu Natal, nur knapp 300km südlicher als jenes. Und während sich von St.Lucia bis zu den Ausläufern der Drakensberge eine weite sumpfige Ebene befindet, sind die Vororte von Durban wirklich nett in die Hügellandschaft eingebettet. Dort findet man auch das bekannte „Valley of Thousand Hills“, auf das man von Hilltop aus einen traumhaften Ausblick hat. So schön, dass ich ganz vergessen hatte, ein paar Fotos zu machen. Und so schön, dass ich am Tage meiner Abreise extra um 5 aufgestanden bin, nur damit ich vom Aussichtspunkt noch ein paar Fotos vom Sonnenaufgang über dem Valley machen kann…leider sind die Fotos nur bedingt brauchbar (verdammt, ich muss mir nun wirklich langsam eine digitale Spiegelreflex besorgen – bitte achten Sie auf die hier demnächst erscheinende Bankverbindung für wohlmeinende Spenden;-)
Durban Downtown liegt direkt am Meer und Dank meiner ausgezeichneten Kartenlesekunst (hm, war ich nicht mal der Navigator??) hat es uns auf der Suche nach unserem Backpacker, Freitag Nacht!!, mal gleich nach Downtown Durban verschlagen…gut gemacht Stefan, großartig! Ich hätte mich ohrfeigen können, das traurigste an der Geschichte ist aber ja, dass ich ein komplettes AUTOBAHNKREUZ übersehen hatte. Naja, was willst machen, ausser halt den schnellsten Weg zurück zu suchen. Was uns dann Gott sei Dank auch ohne Zwischenfälle gelang. Eine halbe Stunde später steuerten wir dann auch schon unseren gut besuchten Backpacker an. Nachdem das Zelt aufgebaut und schlaffertig eingerichtet war, ging es dann noch mit einer guten Bottle Chardonnay an den (bewachten) Strand und auch nicht allzu spät ins Bett. Morgens dann früh aus den Federn (hm, wie immer eigentlich – wann hab ich eigentlich das letzte Mal richtig ausgeschlafen *seufz*) und an der Küste entlang nach Süden, bis wir dann doch noch einen schönen Strand zum baden und in der Sonne liegen ausgemacht haben. Also die Strände sind da eigentlich alle schön, aber es müssen halt immer zwei Prämissen erfüllt sein, halt nein, drei! Erstens muss der Parkplatz bewacht sein, zweitens auch der Strand und drittens sollen ja auch nicht zu viele Leute anwesend sein. Des weiteren bläst der Wind in dem Eck leider meistens ordentlich, so dass wir es mehr schlecht als recht gemuetlich hatten, aber Dank einiger Felsen konnten wir dem Dauerbeschuss des Sandes dann zumindest zum größten Teil ausweichen. Ansonsten wars ein echt schöner Flecken Erde, hat mich ein bisschen an die Toskana erinnert…für die Rückfahrt, dann in unser Haus - Christian und Julia waren inzwischen auch eingetroffen, wählten wir dann die Autobahn. Und das war vllt eine schöne Fahrt. Man stelle sich eine ganz sanfte Hügellandschaft vor, komplett mit grünen Zuckerrohr Feldern bedeckt, ein paar Bäume hier und da und in das goldene Licht der sich neigenden Sonne getaucht…herrlich! An das Bild der illegalen Siedlungen und Townships hat man sich ja inzwischen gewöhnt, diese konnten die Stimmung dann auch nicht mehr trügen!
Gewohnt haben wir von da an soweit recht schön, Mellie und ich und Christian und Julia jeweils in einem eigenen Doppelzimmer (Mellie war großartig, hat nicht einmal wegen Schnarcherei gemault – Weltklasse!! Heiratsfähig sag ich da*g*) von privat, bei einem „reizenden“ alten Ehepaar (meine Güte - hätte nie gedacht, dass ich das Wort reizend tatsächlich mal verwenden würde, aber auf die 2 passt das doch tatsächlich!). Mellie und ich hatten sogar eine schöne Dachterrasse, auf der dann die eine oder andere Nacht über die Dicke der Erdscheibe, schwarze Löcher in Schirmständern und über Gott und die Welt debattiert wurde – könnt mich jetzt noch kringeln! Naja, anyway, das war dann also unser Basislager für die kommenden Tage…für unsere Ausflüge nach Port Shepstone - zum Gezeitenpool, in das U-Shaka Seaworld - einem riesigen Aquarium, das in einem nachgebauten Wrack untergebracht ist, zu den Hammockfalls und nach Pietermaritzburg. Highlight war für mich aber ein geführter Stadtrundgang in das orientalische Viertel. Vorbei an Supermärkten, die in ehemaligen Kirchen eine neue Gewerbefläche gefunden haben, in die größte Moschee der südlichen Hemisphäre, bis zum großen Markt von Durban. Der größte Teil dieses Marktes ist ein gewöhnlicher Flohmarkt, ein mindestens ebenso großer Teil ist Gemüsemarkt. Aber wenn man die richtigen Abzweigungen erwischt, dann steht man plötzlich in einer völlig anderen Welt. Hier werden lebende Hühner, halb verweste Hühner, Knochen, Wurzeln und Gewürze aller Art, heilende Tränke oder giftige Tränke (ein Trank hiess doch glatt „Schwiegermutters Tod“), von alten Zulu Mütterchen feil geboten. Und das alles in dieser schier unerträglichen heissen, stehender Luft – der Gestank hat mir wirklich fast den Atem geraubt, dagegen sind meine Klogänge wahrlich ein Odem von WohlgerüchenJ Aber sieht man mal von diesem Markt ab, haben sich die Warnungen meiner Kollegen als völliger Blödsinn entpuppt. Durban ist bei weitem nicht das Dreckloch, für das man mir das verkaufen wollte. Im Gegenteil, die Stadt ist deutlich sauberer und organisierter als Jo’burg und vllt auch als Pretoria! Ich habe mich auch bei unserem Fußmarsch keine Sekunde unsicher gefühlt – klar hatten wir unseren Guide dabei, aber dennoch war der positive Unterschied in der Atmosphäre zu den Städten Gautengs deutlich zu spüren.
Ansonsten hab ich auch ordentlich eingekauft, eine wunderschöne Hängematte, die auf meiner letzten Open Air Trance Party am vergangenen Wochenende auch gleich eingeweiht wurde, ein traumhaft schönes Tuch, dass hier nun als meine Tischdecke fungiert und einen netten Hippie Shop hab ich auch entdeckt, wo ich gleich mal drei lockere bunte Hemden eingepackt habe. Das hat sich doch gelohnt...
Mein jährliches fasten viel dieses Mal dummerweise genau in die Urlaubszeit, was echt ein bisschen doof war, da ich den anderen täglich beim futtern zugucken musste, während ich literweise Roiboschtee in mich reingekippt habe. Aber ich hab es doch immerhin 7 Tage durchgezogen! Keine zwei Wochen später hatte ich dann auch noch einen Darmvirus, was dazu geführt hat, dass ich ganz schön abgemagert bin. Und an Steak hab ich mich inzwischen auch schon satt gegessen, hätte ich nicht gedacht, dass das so schnell gehen würde, da die hier einfach zu lecker sind! Aber mein letztes Steak liegt nun glaub ich schon 2 Wochen zurück…naja, werd die Kilos schon bald wieder drauf haben, mit oder ohne Steak, die Menge machts, kennt mich ja;-)
Ha, was mir noch einfällt – nachdem Mellie schon Montagmorgen zurück nach Jo’burg ist, Julia und Christian direkt weiter nach St.Lucia und Kosy Bay sind und ich für das Osterwochenende nach Sabie in das Eastern Transvaal wollte und somit auch zurück nach Jo’burg musste, hatte ich keine andere Wahl, als ein Mietauto zu nehmen. Hab mich für einen Toyota Corolla entschieden (hihi, natürlich) und konnte die gute Dame bei der Autovermietung von knapp 170 Euro auf 70 Euro runterhandeln (immer noch saftig, aber davon waren immerhin 50 Euro die One Way Fee, um die ich einfach nicht rumgekommen bin). Der eigentliche Clou war aber ein anderer - ich hatte naemlich meinen EU-Führerschein sowie meinen internationalen Führerschein in meinem Auto in Midrand vergessen und war wirklich schon in Panik, wie ich denn zurück kommen sollte. Unbegründeter Weise wie sich heraus gestellt hat – schließlich bin ich ja in Südafrika! Ich wurde zwar nach dem Führerschein gefragt, aber als ich eingestehen musste, dass der in Gauteng liegt, hat dann doch meine deutscher Personalausweis als Nachweis ausgereicht. Ich hatte ja sogar schon 100 Rand in der Hand um die bei Bedarf heimlich rüber zu schieben (jaja, so läuft der Hase hier nämlich!), das war dann aber gar nicht nötig…na und wenn man sich die Fahrkünste der Einheimischen so anguckt, könnte man ja auch meinen, dass die hier gar keine Fahrschulen kennen. LKW’s tuckern auf der Autobahn auf der mittleren Spur mit 30 den Berg rauf. Es wird wie wild über alle Spuren überholt und links überholen (Linksverkehr!) gehört ja fast schon zum guten Ton! Nachts bei rot über die Ampel ja sowieso. Echt, ich werde mit dem Autofahren zurück in der Heimat glaub ich wirklich ernste Probleme haben! Auf der anderen Seite sind die Südafrikaner aber auch sehr gelassene Autofahrer. Ich hab ja schon von den Fourway Stopps erzählt, wo nicht gedrängelt wird und jeder dann fährt, wenn er auch an der Reihe ist. Und ich glaub ich habe seitdem ich in SA bin noch keine Autohupe gehört, ich glaub die wissen gar nicht, dass die so was an ihrem Vehikel überhaupt haben. Und sehr nett finde ich auch – auf Landstraßen gibt es einen recht breiten Seitenstreifen, auf den man als langsamerer Autofahrer immer wieder ausweicht, sobald ein stärkeres Auto im Rückspiegel auftaucht. Für das vorbeigelassen werden bedankt man sich höflich mit dem Warnblinker. Und das man sich bedankt, wird einem wiederum mit einem kurzen aufblenden anerkannt! Und das sind keine Ausnahmen, das machen hier wirklich gut 90% der Autofahrer – das ist doch herzallerliebst! Sehr gefährlich sind allerdings die Fußgänger, die hier nachts wie tags, auf dem Highway oder auf der Landstraße, seelenruhig auf der Straße spazieren…und nicht das man sich dann wenigstens auffällig kleiden würde, nein, warum auch, schwarz passt doch prima zu schwarz! Echt, kein Wunder, dass in SA weltweit mit am meisten Passanten von Autos überfahren werden. Haha, und die Polizei hier erst – wir wurden bisher zweimal von der Polizei wegen Speeding aufgehalten. Beim ersten Mal wollten die knapp 80 Euro wg, 30kmh zu schnell. Nach drei Minuten Diskussion hatte Conny den Polizisten dazu überredet, uns arme Studenten doch einfach ohne eine Strafe weiterfahren zu lassen (witzigerweise kamen wir da grad aus der Luxuslodge) und beim anderen Mal wurden wir von 3 Polizisten angehalten. 400 Rand wegen zu schnellem fahren! Wenn einem so was passiert, dann immer drauf achten, was die anderen Polizisten treiben. Diese haben sich gleich zu Beginn unseres Gesprächs mit dem Polizisten in den Hintergrund verdrückt – ein untrügerliches Zeichen, da geht noch was. Ging dann auch, für 100 Rand bar auf die Hand durften wir unseren Weg fortsetzen…sodala liebe Kinder, genug der Geschichten – für heute! Bin platt von der Abschiedsparty gestern und will bald ins Bett, Fotos reiche ich bald nach! Wünsch Euch alles Liebe und Gute aus der Ferne und machts gut!

Euer Stefan, Steffä, Stef, Pivo, Steve-O, Hase (J), Schatzimausiherzibinki usw.

2 Kommentare:

Richard hat gesagt…

Hey, fein, erzähl mal mehr von dem Open Air bitte :). Gibts davon auch Fotos?

Naja, damit du siehst, dass es uns hier auch nicht schlecht geht: Wunderschöne Party in der Pampa Süd-Oberbayerns http://flickr.com/photos/rickski/sets/72157600163703342/

Line hat gesagt…

hmmm...ich merke, ich hab von Durban tatsächlich zu wenig gesehen!
Lass es Dir gutgehen!!!